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Orgelband 2021: Festkonzert zum 30. Orgeljubiläum der Karl-Schuke-Orgel mit Prof. Andreas Sieling (Berliner Dom)

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Orgelband 2021: Festkonzert zum 30. Orgeljubiläum der Karl-Schuke-Orgel mit Prof. Andreas Sieling (Berliner Dom)


Datum Sonntag, 7. November 2021, 16:00 Uhr
Standort Johanneskirche Frohnau, Zeltinger Platz 18, 13465 Berlin
Mitwirkende
Kirchenmusikdirektor Prof. Dr. Andreas Sieling
Preis
Eintritt frei - Spende erbeten
Orgelband 2021: Festkonzert zum 30. Orgeljubiläum der Karl-Schuke-Orgel mit Prof. Andreas Sieling (Berliner Dom)

Festkonzert zum 30. Orgeljubiläum der Karl-Schuke-Orgel

Andreas Sieling, Orgelprofessor, Berliner Domorganist und früherer Frohnauer Kantor (2000 – 2005) kommt am 7. November um 16 Uhr für ein Festkonzert erstmalig zurück nach Frohnau.

Der Anlass ist würdig und in diesem Jahr doppelt prominent: Die Orgel ist das „Instrument des Jahres 2021“. Zugleich jährt sich der Neubau der Frohnauer Schuke-Orgel im November 2021 zum 30. Mal. Im Anschluss an das Konzert laden wir zu einem Empfang in den Gemeindesaal ein, sofern die Corona-Auflagen das dann zulassen.

Prof. Sieling stellt ein Programm von architektonischer Symmetrie vor: Dem berühmten „a-Moll-Choral“ von César Franck im Zentrum des Konzerts stehen die beiden großartigen Eingangs- und Ausgangspfeiler „Präludium und Fuge in Es-Dur“ von J. S. Bach gegenüber. Der festliche Konzertaufbau wird vervollkommnet durch Werke von Mendelssohn, Vierne und Cocherau. Der Eintritt ist frei.

Unsere Orgel erzählt, knapp 90 Jahre nach der Erst-Einweihung, eine interessante Geschichte von Modernität und Fortschrittsglauben: Hochmodern war es 1936 für Kantor Horst Nordmann, einen fahrbaren Spieltisch vor dem Chor zu haben, den man je nach Anlass neu positionieren und von dem aus man dirigieren konnte. Die Ventile wurden elektrisch angesteuert. Es gab ein dickes Verbindungskabel, dessen Reste noch heute unter den Emporenstufen lagern. Jedoch war die Elektronik der 30er Jahre alles andere als beständig. Und so wurde die schöne große Orgel, deren Äußeres bis heute erhalten ist, bald immer störanfälliger. Auch klanglich gab es Probleme. Dank der Elektrosteuerung standen die Pfeifen breit und ohne jede Bündelung verstreut hinter den Prospekt. So ein Kabel reicht ja auch noch bis in die letzte Ecke. Das Klangbild dieses Instruments ohne Gehäuse, zudem weit hinten auf der großen Empore, war schwach und schlecht gemischt.

1991 kam es dann dank Kantor Helmut Kühn zum Umbau, der eigentlich ein Neubau war. Zwar wurden die Pfeifen von 23 alten Registern wiederverwendet (Gesamtregisterzahl: 40). Jedoch kam es zum Systemwechsel zurück zur klassisch-mechanischen Bauweise, wie sie seit der Barockzeit bewährt und nun wieder neu gelernt worden war. Es wurden neue mechanische Windladen gebaut und ein hausartiges Holzgehäuse. Alles rückte zusammen: Der Spieltisch befindet sich nun direkt unter den Pfeifen. Alle Teilwerke sind möglichst nah um den Spieltisch herum eingebaut, sodass die diversen Hebel und Zugleisten („Abstrakten“) kurz bleiben, um möglichst leicht und präzise zu arbeiten. Dennoch sind manche Abstrakten noch über 3 Meter lang. Was an mechanischer Perfektion und wiederentdeckter klassischer Handwerkskunst zu diesem Zeitpunkt möglich war, ist seit 30 Jahren sehr zuverlässig in Funktion. Klanglich hatte jedoch die Orgel von 1991 noch ein paar Schwächen, die erst zwanzig Jahre später beseitigt wurden.

Einige Obertonregister („Mixturen“) waren doch etwas zu hoch bzw. schreiend geraten. Der barocke Glanz sollte damals sozusagen „noch barocker als barock“ sein und also noch heller glänzen. Auch dies war eine typische Vorstellung von Modernität und Fortschritt, überkommen noch aus den 60er Jahren, als die historische Aufführungspraxis ganz am Anfang stand. Das führte jedoch dazu, dass die Kantoren Kühn und Sieling solch grellen Klang der Gemeinde nicht lange zumuten wollten und darum manche besonders kleinen Pfeifen mit Pfeifenreinigern einfach zustopfen ließen. So fand ich die Orgel 2006 jedenfalls vor.

Als 2011 die erste große Reinigung anstand, wurden diese allerhöchsten Kleinstpfeifen eingelagert und durch etwas tiefere ersetzt. Dadurch ist seitdem der Klang nicht weniger strahlend, dafür deutlich runder und kraftvoller.

Auch die elektrische Registertraktur erfuhr noch zweimal eine Überarbeitung. Die letzte wurde kurioserweise durch das Rockfestival unserer Jugend „Rock am Platz“ 2015 nötig. Damals (ohne LEDs) benötigte die Lichtanlage der Jugendlichen noch so viel Strom, dass dafür eigens die Orgel abgeklemmt werden musste. Beim Wiederanklemmen im laufenden Übebetrieb ging die Orgel-Elektronik abermals kaputt und wurde erneuert.

Nun haben wir eine sehr gute mechanische und klanglich optimierte Kirchenorgel mit dem besten Klangmaterial aus drei Bauphasen. Dank der modernisierten Registertraktur und der heutigen Speichermöglichkeiten können nun all die Schüler und musikalischen Gäste nahezu unbeschränkt aus dem Vollen schöpfen, ihre Klänge finden und jederzeit abrufen.

Dr. Andreas Sieling, der diesen Weg zeitweise auch als Orgelsachverständiger begleitet hat, wird uns davon am 7. November einen prachtvollen Eindruck geben, zu dem Sie alle herzlich eingeladen sind.

J. Walter