Sonntag, 19. Mai 2019, 10:00 Uhr

Anschließend Empfang mit Sekt, Kaffee und Gesprächen in unserem Café Johannesgarten. Wir freuen uns auf Sie!


Am Sonntag Kantate ging es in der Johanneskirche schon immer musikalisch festlich zu. Umso mehr, seit unser Kantatenchor gegründet wurde, der an diesem Sonntag vier Wochen nach Ostern 2013, seinen „Debüt“ gab. Interessant ist dabei jedes Mal, wie unterschiedlich Komponisten an die Aufgabe herangehen, etwas festliches zu schreiben. Während z.B. bei Bach oft die größtmögliche Orchesterbesetzung, ein großes Solistenensemble und hohe Virtuosität der Sänger gefordert wird, schlägt Louis Vierne im Jahr 1899 ganz andere Töne an. Seine Messe in cis-Moll wird nur mit Orgel(n) und Chor aufgeführt. Keine Solisten, kein Orchester. Dafür aber Klänge, die überwältigen sollen: Die Orgel (C. Bartkowski) tritt gewaltig auf: wie ein mächtiges Klangportal mit quasi allen Registern. Der Kantatenchor antwortet kraftvoll - fast kämpferisch - voller Schlichtheit und Größe. An anderen Stellen schreibt Vierne dann wundervoll ruhige impressionistische und zart schattierte Akkorde, mit denen Chor und Orgel ein geradezu himmlisches Leuchten erzeugen. Die Messe endet im Dona nobis pacem pianissimo in der „entrückten“ Tonart Cis-Dur (sechs Kreuze!!!) und entlässt Hörende und Musizierende musikalisch in einem Zustand, den man nicht nur „versöhnt“ nennen sondern auch als „erhoben“ bezeichnen kann. Bei der Uraufführung der Messe in der zweitgrößten Pariser Kirche St. Sulpice trafen an der großen Hauptorgel (siehe Foto) und an der kleineren Chororgel die beiden wichtigsten Pariser Organisten der Jahrhundertwende zusammen: Louis Vierne und sein Lehrer Charles Marie Widor.

Zum Werk:

Mit dieser Messe hat der Pariser Domorganist von Notre Dame eine Vertonung geschaffen, die bis heute nicht an Popularität verloren hat. Die zu Beginn auf Überwältigung und später vielleicht auf sinnliche Verlockung angelegte Orgelmusik gibt hier ganz klar den Ton an. Der Chor fügt sich ein in diesen Orgelklang und singt mit, als wäre er ein Teil des Instruments. Dabei wird er ganz wunderbar von der Orgel getragen und geführt. Die Musik beginnt im Kyrie monumental und ernst und verliert doch am Schluss jede Schwere, wenn sie im Dona nobis pacem in Cis-Dur mit zarten impressionistischen Klängen beinahe entschwebt. Obwohl es eine „Messe solennelle“ („feierliche“ Messe, also üblicherweise mit Credo) ist, fehlt hier das Credo. So kann sie hier ohne zeitliche Überdehnung des Gottesdienstes vollständig musiziert werden. 

Jörg Walter


Foto: Ev. Kirchengemeinde Frohnau

Mitwirkende
Orgel: Claudia Bartkowski, Frohnauer Kantatenchor, Leitung: Jörg Walter, Pfarrer Dr. Ulrich Schöntube
Ort
Johanneskirche, Zeltinger Platz 18, 13465 Berlin, Deutschland