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Sonntag, 29. September 2019, 10:00 Uhr

Erntedank – und Klimakrise?

Die Welt ist Gottes Schöpfung. Wir leben in dieser Welt als Teil dieser Schöpfung, ohne die Welt können wir nicht leben. Der Wechsel der Jahreszeiten, die Abfolge von Säen und Ernten gipfelt im Dank an den Schöpfer für die Nahrung, die er uns in seiner Schöpfung immer wieder schenkt. „Unser tägliches Brot gib uns heute!“ beten wir immer wieder. Und darauf ist Verlass: Gott steht zu seinem Bund mit der Schöpfung und den Menschen, den er nach der Sintflut erneuert hat, mit Noah.

Und doch ist es komplizierter. Wenn es in den kommenden Jahren nicht gelingt, den CO2-Ausstoß entscheidend zu senken, dann wird die Erwärmung der Erde unumkehrbar – mit unabsehbaren und zerstörerischen Folgen. In zahlreichen Studien ist das immer wieder untersucht und belegt worden. In der Gesellschaft und auch in unserer Kirche setzt sich die Überzeugung durch, dass der menschengemachte Klimawandel nicht länger einfach ignoriert werden kann. „Fridays for Future“ zeigt, dass gerade viele junge Menschen um ihrer eigenen Zukunft willen ein radikales Gegensteuern verlangen.

Die Bewahrung der Schöpfung steht seit den 1980er Jahren auf der kirchlichen Agenda. Bereits 1995 formulierte eine Studie des EKD-Umweltbeauftragten: „Die gegenwärtigen Eingriffe von Menschen in das Klimasystem der Erde [...] widersprechen Gottes Willen und Auftrag, sind nach biblischem Verständnis Sünde. Sie sind Sünde, weil Menschen fahrlässig in für sie unsteuerbare Naturvorgänge mit unüberschaubaren und unbeherrschbaren Folgen störend eingreifen.“ Diese Einsicht bedeutet auch die Möglichkeit zur Umkehr. 2017 hat unsere Landeskirche einen eigenen Klimaschutzplan aufgestellt. In den Bereichen Liegenschaften, Mobilität und Beschaffung soll der CO2-Ausstoss bis 2020 um 15% verringert werden, als Zeichen und als Beitrag zum Klimaschutz. Das reicht sicher nicht aus. Aber wir hören auch die Sorgen in unserer Kirche - zum Beispiel die der Braunkohle-Beschäftigen in der Lausitz, die um Arbeit und Lebensperspektive bangen.

Eine verlässliche Orientierung und Klarheit, was genau getan werden kann, steht noch aus – da geht es uns nicht besser als anderen gesellschaftlichen Akteuren. Und doch haben wir als Kirche einiges zum gesellschaftspolitischen Diskurs beizutragen. Wir glauben, die Welt, in der wir leben, ist nicht ewig – aber wir leben in der Hoffnung auf eine neue Welt, die der Herr heraufführen wird, und nicht in der Angst vor einem Weltuntergang in Chaos und Nichts. Deswegen feiern wir Erntedank! Und deswegen sollten wir alles Menschenmögliche tun, um einer frühzeitige Zerstörung der Schöpfung durch den Menschen Einhalt zu gebieten. Wissenschaft, Technologie und unsere Lebensweise werden dabei sicher wichtige Instrumente sein.

Thomas Koch


Foto: Ev. Kirchengemeinde Frohnau

Mitwirkende
Orgel: O. Zimmermann, Pfarrerin Dr. Elisabeth Roth, Pfarrer Dr. Ulrich Schöntube
Ort
Johanneskirche, Zeltinger Platz 18, 13465 Berlin, Deutschland