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Samstag, 30. April 2016, 18:00 Uhr

Nach den überaus erfolgreichen Chorkonzerten am 12. und 13. März 2016 haben Sie nochmal die Gelegenheit, das "Ein deutsches Requiem" von Brahms -in einer kammermusikalisch neu bearbeiteten Fassung von Jörg Walter- in der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche zu besuchen.

Vorbemerkung zu dieser Bearbeitung

Selbstverständlich entfaltet das Deutsche Requiem von Johannes Brahms die beste Wirkung in der originalen Klanggestalt mit einem großen Sinfonieorchester und einem großen sinfonischen Chor. Aber weil das Stück so beliebt ist und nicht immer 200 Musiker verfügbar sind, um es zu musizieren, beginnt die Geschichte der Bearbeitungen gleich nach der Fertigstellung. Insbesondere war schon Brahms sein erster eigener Bearbeiter mit einem zweihändigen und einem vierhändigen Klavierauszug. Inzwischen sind unter anderem auch zwei Fassungen erschienen, die mit kleinerem Orchester auskommen: Joachim Linckelmann (Carus-Verlag) hat neben die originalen Streicherstimmen ein um Pauke erweitertes Holzbläserquintett gestellt. Ingo Schulz (Eigenverlag) übernahm ebenfalls den originalen Streichersatz und fügte ansonsten sämtliche von Brahms verwendeten Blasinstrumente (bis auf die Tuba) und Harfe und Pauken – allerdings in jeweils nur einfacher Besetzung - hinzu.Zahlreiche Chöre führen das Requiem immer wieder nur mit Klavier (ein oder zwei Klaviere, ein oder zwei Spieler, ab und an mit zusätzlichen Pauken) auf. Die vorliegende Bearbeitung mit zusätzlichem Harmonium fügt diesen Klavierarrangements des Requiems eine klanglich reizvolle Komponente hinzu. Das Harmonium bietet die Möglichkeit, die häufig vorkommenden Halte- und Schwellklänge der Orchesterfassung mit nur einem Spieler darzustellen. Die Instrumente ergänzen sich ideal: Während alles, was rhythmisch akzentuiert, und von brillanter Geläufigkeit ist, besonders gut auf dem Klavier wirkt, kann das Harmonium Töne „unendlich“ lange halten, ab- und vor allem auch anschwellen lassen.Klavier und Harmonium zusammen sind eine in der Spätromantik häufig anzutreffende Kammermusikkombination (vgl. S. Karg-Elert, C. M. Widor, C. Franck, C. Saint-Saëns). Sowohl das Klavier in seiner heutigen Bauart wie auch das Harmonium waren etwa um 1910 herum ausentwickelt und haben seitdem keine dauerhaft bewährten wesentlichen Neuerungen mehr erfahren. Beide bilden also ein – gegensätzliches – Geschwisterpaar derselben Generation. Während das Klavier seinen Platz in der Musikwelt bis heute behauptet, ist das seinerzeit in Europa sogar häufiger verkaufte Harmonium fast völlig in Vergessenheit geraten.Eine Bearbeitung des Deutschen Requiems von J. Brahms mit neuer Harmoniumstimme zu wagen scheint 2016 zunächst nicht sehr naheliegend. Allerdings gibt es in der Wirkungsgeschichte des Werkes dafür Anknüpfungspunkte: 1888 hat Fritz Stade einzelne Sätze für Klavier und Harmonium bearbeitet, so wie nach ihm auch August Reinhard. Sigfrid Karg-Elert hat sogar den ersten Satz „Selig sind, die da Leid tragen“ für Harmonium solo bearbeitet. All diese Bearbeitungen klingen ausgesprochen schön - gemein ist ihnen jedoch, dass sie ganz ohne den Gesang auskommen, der dann jeweils in die Klavier- oder Harmoniumnoten eingearbeitet wurde. Denn der Zweck dieser Arrangements war nicht die Aufführung zusammen mit Solisten und Chor sondern die Aneignung und Wiederholung des im Konzertsaal gehörten Werkes zu Hause ohne Sänger.Da nun diese Kammermusikbearbeitungen praktisch nirgends aufgeführt werden und da zumindest Karg-Elert eine große kompositorische Autorität darstellt, schien es mir erlaubt zu sein, nach seinem Vorbild eine neue Bearbeitung zu schaffen, die nur den Orchesterpart enthält und damit für eine Aufführung zusammen mit Chor und Solisten geeignet wäre. Für die erste Aufführung in Berlin-Frohnau 2016 wird neben dem Harmonium ein Flügel vierhändig gespielt (basierend auf Brahms eigener Bearbeitung) und die originale Paukenstimme verwendet. Aber sowohl, wenn (etwas kleiner) nur ein Spieler oder wenn (etwas größer) zwei Flügel vorhanden sind, lassen sich die entsprechenden Klavierfassungen mit der vorliegenden Harmoniumstimme gut kombinieren.Der Harmoniumpart ist, falls kein Originalinstrument zur Verfügung steht, auch auf der Orgel spielbar. Dabei sollte man bedenken, dass die Klangästhetik spätromantisch und starke Schwellmöglichkeiten unverzichtbar sind. Einige wenige besonders weite Griffe (das Harmonium hat eine etwas engere Tastenmensur) sind auf der Orgel schwerer oder gar nicht spielbar und müssen dann angepasst werden.

Jörg Walter im Februar 2016


Mitwirkende
Frohnauer Kantorei, Christina Elbe (Sopran), Jörg Gottschick (Bariton), Claudia Bartkowski und Johanne von Harsdorf (Klavier), Henning Börgel (Pauke), Jörg Walter (Harmoium), Leitung: Volker Hedtfeld
Ort
Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche, Breitscheidplatz, 10789 Berlin
Preis
Eintritt € 10,00 Karten im Vorverkauf: Gemeindebüro der Johanneskirche und Buchhandlung Haberland, Frohnau