Flügelrestaurierung in der Coronapause

Flügelrestaurierung in der Coronapause


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Datum der Veröffentlichung Veröffentlicht am Sonntag, 20. September 2020, 11:17 Uhr
Flügelrestaurierung in der Coronapause

Als kurz vor Weihnachten 2019 der Bechsteinflügel aus dem Saal abgeholt wurde, stand uns eine lange flügellose Zeit bevor: Die Berliner Klavierbauer-Stimmerin Sylvia Klessen und ihr  Kooperationspartner würden gemeinsam in kleinen Schritten über vier bis fünf Monate neben ihrem Alltagsgeschäft in Werkstatt, Geschäft und auf Stimmtouren unseren Flügel überholen. So lange hätten wir auf den Flügel verzichten müssen. Wer hätte gedacht, dass dieses Intermezzo nur 2 Monate lang anhalten würde, weil Corona kam?  Und so wurde unser Flügel ganz in Ruhe sogar bis zum 29. Juni in der Klavierwerkstatt „Piano Traum“ liebevoll, sachgerecht und auf das Schönste restauriert.

Am ersten Schultag, dem 10. August, kam eigens der Intonateur Peter Radacovic. Er hat den Flügel ganz auf die Saalakustik fein zu Ende intoniert. Und so war er ausgerechnet zur ersten Chorprobe seit Corona, am 11. August, fertig. Was für ein Glück!

Nun sind nicht nur alle Saiten und Wirbel neu, die Wirbellöcher neu gebohrt, große Teile der Mechanik, alle Filze und Leder erneuert, der Resonanzboden und die Elfenbeintasten restauriert. Nein, auch am Gehäuse wurde viel getan – vieles sogar, was über das angebotene Maß hinausgeht: große Flächen am Deckel, an der Tastenklappe und am Korpus sind nicht nur ausgebessert sondern grundlegend neu mit Schellack aufpoliert worden. Das Instrument strahlt nun klanglich genauso wie optisch. Wir sind den drei Handwerkern zu großem Dank verpflichtet, da der geplante Kostenrahmen von knapp 12.000 Euro von ihnen dennoch exakt eingehalten wurde.

Ebenso gilt unser Dank all den SpenderInnen und neuen Mitgliedern des Fördervereins. Sie haben den größten Teil der Kosten dieser Restaurierung getragen. Dieses von vielen befürwortete Projekt hat unserem Verein viele neue Mitglieder beschert. Möge sich unser Verein weiter so entwickeln und sich immer wieder neue Menschen finden, die bereit sind, solche und andere wichtige Projekte zu ermöglichen.

Ach übrigens: An den Beinen wurde natürlich auch gearbeitet. Sodass der alte Bechstein nun auch wieder kerzengerade steht.

Jörg Walter

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