Veröffentlicht am Fr., 19. Jun. 2020 17:13 Uhr

Der aktuelle Schaukasten greift das Thema der blutigen Rassenunruhen in den USA auf. Zuerst starben vor allem Farbige an Corona, weil sie auf engerem Raum leben, vor allem aber weil sie unbehandelte Vorerkrankungen haben, unbehandelt, weil sie die Behandlung nicht bezahlen konnten. Eine allgemeine Krankenversicherung gibt es in den USA nicht und das öffentliche Gesundheitswesen ist kurz gesagt erbärmlich. In den USA arm oder krank zu sein ist furchtbar. Oft kommt beides zusammen. Schon diese Ungleichheit hat Wut unter den Schwarzen Amerikas erzeugt, zu Recht. Dann brachte der Tod eines schwarzen Demonstranten durch einen brutalen Polizeieinsatz, der damit nur eine ebenso brutale Dienstanweisung umsetzte, nämlich sich auf den Hals des Widerstandleistenden zu knien, das Fass zum Überlaufen - auch verständlich.

Erschreckend für alle Beobachter aber ist das Ausmaß des Hasses und der Gewalt:  die hassverzerrten Gesichter der Demonstranten,  die Gewalt gegen Polizisten, die Plünderung nahezu aller Geschäfte der eleganten Fifth Avenue in New York. Die New Yorker, durch Corona- Lockdown mehr oder weniger in ihre Wohnungen eingesperrt, sehen mit Entsetzen auf ihre Stadt. Ebenso geht es in anderen großen Städten wie Montgomery, Minneapolis etc. zu. Inzwischen gibt es einen weiteren Toten, wieder einen Schwarzen, aus einer fragwürdigen Notwehrsituation heraus wieder von Polizisten erschossen. Und das   ausgerechnet in Atlanta, der Stadt, in der Martin Luther King gewirkt hat.  

Hass kann Hass nicht besiegen, nur die Liebe kann das.
Dunkelheit kann Dunkelheit nicht besiegen, nur das Licht kann das.
 

Das sagen die beiden Papptafeln, eine weiße und eine schwarze, kunstvoll mit einer Struktur aus Seidenpapier beklebt. Sie rahmen den monochromen Druck mit den violetten Flügeln. Unter dem Eindruck des Attentats auf Martin Luther King  schuf HAP Grieshaber seinen Druck, der in der Mitte des Schaukastens hängt. Er zeigt eine knieende, nach hinten fallende schwarze Figur. Oberhalb des Kopfes sind dort, wo man vielleicht die Arme vermuten würde, bei genauerem Hinsehen zwei schwarze Flügel zu sehen. Kopf und Flügel sind von großen violettroten Farbflächen umfangen, Symbol für das Blut und den Tod. Die Flügel stehen wohl für die Auferstehung des toten Bürgerrechtlers, auf jeden Fall ist eine Bewegung nach oben angedeutet, die das Leid des Todes überwindet. 

Martin Luther King hat noch gewusst, dass Hass nur Hass erzeugt. Leider scheint diese Wahrheit in den USA verschüttet, sowohl bei den protestierenden Schwarzen als auch bei den weißen Regierenden. Diese sollten es doch wirklich besser wissen. 

Ein Zeitungsartikel an der Seite des Schaukastens zeigt Donald Trump mit der Bibel in der erhobenen Hand. Auf Nachfragen von Reportern kann er kein Bibelzitat nennen und beruft sich auf seine Privatsphäre.  Ausgerechnet der Mann, der via Twitter die Welt an jeder seiner Gefühlsäußerungen teilhaben lässt. 

Es ist ein Trauerspiel  auf allen Ebenen. Man kann nur hoffen, dass sich Amerika auf sein Erbe der Weltoffenheit und Toleranz besinnt, eine Polizeireform einleitet und dass die schwarzen und weißen Protestler die Botschaft von Martin Luther King wieder beherzigen. Hass ist keine Lösung.   

Gott ist Liebe nicht Hass. Beten wir für die amerikanischen Bürger aller Hautfarben für Gewaltlosigkeit, Versöhnung und Frieden. Aber der wird sich nur einstellen, wenn sich etwas ändert an den Verhältnissen, am Vorgehen der Polizei und ihren Dienstvorschriften, den Benachteiligungen der Schwarzen und dem Krankenversicherungswesen.   

 

Für das Schaukastenteam
Maren Topf-Schleuning

Kategorien Aktuelles