Veröffentlicht von Stephan Reininghaus am Mo., 23. Mär. 2020 00:15 Uhr

- geschrieben und gelesen von Pfarrerin Elisabeth Roth


Liebe Kinder und Jugendliche, liebe jüngere und ältere Erwachsene, liebe Gemeinde,

Vor einer Woche kam die Meldung, dass unsere Gottesdienste nicht mehr stattfinden dürfen und seitdem überschlagen sich die Ereignisse! Für viele von uns hat sich der Alltag doch ziemlich geändert. Im Moment erscheint mir alles noch vollkommen surreal, als wäre ich Teil irgendeines verrückten Films.

 Ich erzähle Ihnen mal wie es mir in dieser neuen Situation als Pfarrerin geht.

Als erstes und ganz einfach: ich vermisse schon jetzt die Begegnungen, die meinen Berufsalltag so wesentlich prägen. Mir fehlen die Kinder genauso wie die Jugendlichen und Erwachsenen und ich merke, wie privilegiert es ist, immer mit allen Generationen zu tun haben zu dürfen. Wie sehr gehört das Händeschütteln oder die Umarmung zu mir als Pfarrerin dazu!

Ulrich Schöntube und ich ertappen uns dabei, dass wir den ganzen Tag irgendwie unruhig im leeren Kirchengebäude unterwegs sind und abends total erschöpft sind, obwohl wir ja definitiv derzeit weniger zu tun haben. 

Dazu treibt uns Mitarbeitende grundsätzlich die Frage um: wie können wir in dieser notwendigen Distanz trotzdem Kontakt halten, einander begegnen, trotzdem fühlbar Gemeinde Jesu Christi bleiben?

 Es ist gar nicht so einfach, wenn man es so gewohnt ist, immer zueinander kommen zu können. Besonders in unserer Gemeinde brummt ja eigentlich das Leben von morgens bis abends! Immer sehe ich von meinem Pfarrhaus ein Licht brennen! Jetzt ist alles dunkel.

Mit Sicherheit werden die sozialen Medien eine gute Kontaktmöglichkeit sein und wir werden uns da mehr und mehr hineinarbeiten. Aber das wird nicht reichen.

 Viele der älteren Generation sind noch nicht digital unterwegs und darum auch nicht auf diesen Kanälen erreichbar. Aber genau für die sollten wir doch gerade jetzt so dringend da sein! Mir bereitet das momentan Sorgen. Umso dankbarer bin ich, dass unsere Jugendlichen sofort ihren Einkaufsservice eingerichtet haben. Ein erster Schritt und ein Zeichen größter generationenübergreifender Fürsorge! Aber es werden noch weitere Schritte folgen. Wir sind dran! Versprochen. In jedem Fall sind wir telefonisch immer erreichbar.

Wenn ich in diesen Tagen die Johanneskirche betrete, ist sie meistens leer. Vorne flackern die Kerzen. Es sind in der letzten Woche deutlich weniger geworden. Einerseits macht mich die leere Kirche etwas traurig, andererseits kommen meine Gedanken dort auch zur Ruhe. In der Stille des Raumes schwingt etwas Beständiges, das tröstlich ist. „Und der dich behütet schläft nicht...“ - denke ich.

Unser großes Kreuz, das durch das lila Tuch scheint, verweist in neuer Intensität auf die Zerbrechlichkeit alles Lebens, aber auch auf Gottes Dasein - auch und gerade, wenn es um uns dunkel ist.

Ich bin mir sicher: Passion und Ostern werden sich uns in diesem Jahr in besonderer und ganz anderer Weise neu erschließen.

Ich grüße Euch herzlich, liebe Kinder, liebe Jugendliche, 

Ich grüße Sie herzlich, liebe Erwachsene!

In Verbundenheit,

Eure/ Ihre 

Pfarrerin Elisabeth Roth

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