Veröffentlicht am Do., 14. Nov. 2019 15:01 Uhr

Davonschweben - 

Davon zu schweben scheinen die weißen Federn im Schaukasten zum Ewigkeitssonntag. Jede der rund 80 Federn trägt ein Schild mit dem Namen eines im letzten Kirchenjahr, d.h. seit dem 1. Advent 2018 verstorbenen Mitglieds unserer Kirchengemeinde.

Wie schwerelos schweben die Federn, wie die Seelen der Verstorbenen, leicht und ohne Ballast, endlich frei. Der Boden ist mit einem blauen Tuch und darüber weißem Tüll ausgelegt – wie ein blauer Himmel mit weißen Wolken. Aber da es der Boden ist, wirkt es gar nicht kitschig, sondern gibt der ganzen Installation eine Luftigkeit und Leichtigkeit, die die Trauer des Ewigkeitssonntags schon hinter sich gelassen hat.

In der rechten Ecke steht ein geöffneter alter brauner Reisekoffer. Darin liegt nur ein weißes Tuch. Das letzte Hemd hat keine Taschen, schoss es mir durch den Kopf. Zum Koffer passt der Text, in der Mitte zwischen den Federn auf durchsichtiges Pergamentpapier geschrieben:

Eines Tages
werde ich
das letzte Mal
umziehen


und dann brauche ich
gar nichts einpacken
und mitnehmen


ich kann alles
dalassen und
einfach losziehen


und ich werde
ankommen
heimkommen
und bleiben dürfen


und endlich
unendlich frei sein.

Ich habe nie eine schönere Beschreibung des Todes gelesen. Zusammen mit dem Bild des leeren Koffers und der weißen Federn über dem blauweißen Himmel, verliert man alle Angst davor.

Wir hoffen sehr, dass dieser Kasten allen Trauernden ein Trost ist und sind mit unseren Gedanken bei Ihnen.

Für das Schaukastenteam
Maren Topf-Schleuning


PS: Wenn der Kasten nach dem Ewigkeitssonntag geräumt wird, werden die Federn mit den Namen noch bis zum 3. Advent im Gemeindebüro aufgehoben, falls Angehörige ihre Feder gern haben möchten.


Foto: Maren Topf-Schleuning

Kategorien Schaukasten