Veröffentlicht am Mi., 4. Apr. 2018 09:55 Uhr

Heute – Osterdienstag, der erste schöne Frühlingstag – habe ich den ersten Schmetterling dieses Jahres gesehen. Wie verständlich, dass der Schmetterling schon in der Antike ein Symbol der Verwandlung war und das frühe Christentum diese Symbolik aufgegriffen und als Sinnbild für die Auferstehung Christi verstanden hat. Dabei steht  die Raupe für das Leben, die Puppe für den Tod und der Schmetterling für die Auferstehung. Wie die Raupe nach einer Zeit der Verpuppung die Flügel entfaltet, wird auch der Mensch in verwandelter Gestalt in neuer Freiheit auferstehen.

Ein Schmetterling bildet auch den Mittelpunkt des diesjährigen Oster-Schaukastens. Die vergrößerte Abbildung eines emailbunten  mittelalterlichen Reliquiars (1320 in Paris entstanden)  ist an ein Kreuz aus Baumrinden geheftet und steigt gewissermaßen aus den Steinen und der Dornenkrone des vorigen Schaukastens, die Leid und Grablegung des Karfreitags symbolisierten. Daneben ein ockergelber Banner mit dem Satz aus der Osterliturgie, der vor allem in der orthodoxen Kirche – aber auch im ganzen heutigen Russland - als Ostergruß entrichtet wird:  „Er ist auferstanden, er ist wahrhaftig auferstanden“.  Das russische Wort für Sonntag heißt wörtlich übersetzt „Auferstehung“.

Als man ein spätgotisches Kruzifix aus der Regensburger St. Jacobskirche restaurierte, fiel im Hinterkopf der Figur des Gekreuzigten ein Hohlraum auf. In ihm befand sich ein Reliquiar, also ein Behältnis, um Reliquien aufzubewahren, Überbleibsel von Heiligen. Und dieses Reliquiar ist ein ganz besonderes und einmaliges: Es besitzt die Form eines lebensgroßen Schmetterlings. Es ist aus vergoldetem Silber gearbeitet, die Fühler haben Spitzen aus Perlen. Die Flügel sind bunt aus verschiedenen Emailfarben. In die Gestalt des Schmetterlings eingearbeitet ist eine Kreuzigungsszene mit Jesus in der Mitte, Maria und Johannes zur Rechten und Linken. Jeder Schmetterling dieses Frühlings sagt uns, Gott hat den Tod besiegt. Neues ist geworden. Angst und Sorgen haben sich in Freude und neue Hoffnung verwandelt. Jeder Schmetterling dieses Frühlings lehrt uns, wie schön und großartig Gottes Schöpfung ist. Und: Es braucht nicht alles zu bleiben, wie es ist. Neues kann werden!

Wie die Auferstehung aussehen wird, wissen wir nicht. Auch die Bibel spricht nur in Bildern davon, die sehr vielfältig, oft auch unterschiedlich sind. Zwei Gemeinsamkeiten haben jedoch alle Bilder der Auferstehung: dass sie das neue Leben als etwas ganz anderes, nie Dagewesenes begreifen und dass sie die tiefe Gewissheit verbreiten: Ganz gleich, wie es sein wird, es wird gut. Denn die Verstorbenen sind bei Gott.

Wir wünschen Ihnen, dass die Osterfreude den ganzen Sommer über anhält – denken Sie daran, bei jedem Schmetterling, den Sie sehen.

Für das Schaukastenteam
Maren Topf-Schleuning


Foto: Maren Topf-Schleuning

Kategorien Schaukasten